Alle sollen sich stellen. Es werden sieben Sätze vorgelesen, z.B.
- Ich habe schon mal etwas gestohlen.
- Ich bin schon mal „schwarz“ gefahren.
- Ich habe schon mal einen Menschen verletzt.
- Ich habe schon mal gelogen und mir dadurch einen Vorteil verschafft.
Wer mindestens eine dieser Aussagen für sich selbst mit „Ja“ beantwortet, soll sich setzen. Am Ende sitzen alle und Pastoralreferent Heitz, der als Gefängnisseelsorger in der JVA Frankenthal arbeitet macht deutlich: Das sind alles Straftaten! Wegen solcher Vergehen sitzen bei uns Leute in der JVA ein!
Wir erfahren viel über die JVA Frankenthal mit ihren gut 400 Plätzen im geschlossenen Vollzug in 6 unterschiedlichen Hafthäusern, über Anstaltskleidung, Tagesablauf, dass man anfangs meist 23 Stunden am Tag in der Zelle verbringt und deshalb froh ist, wenn man dann innerhalb des Gefängnisses anfangen kann zu arbeiten, dass man zweimal im Monat für eine Stunde Besuch bekommen darf.
Manfred Heitz bietet als Seelsorger neben Gottesdiensten Einzel- und Gruppengespräche an. Hier geht es oft um drei große Themen: Alltag im Gefängnis und wie schaffe ich das? Die eigene Tat und der Umgang mit Schuld. Und schließlich die Frage nach den sozialen Kontakten und Beziehungen, z.B. ob die Ehe die Zeit im Gefängnis überstehen wird.
Hier ist Kirche durch die Seelsorger präsent, bietet Unterstützung an und handelt nach dem biblischen Auftrag, Gefangene zu besuchen. Und gleichzeitig wird die Haltung deutlich, mit der den Gefangenen begegnet wird: als Menschen, die Fehler begangen haben (und oftmals schlimme Straftaten !), die aber trotzdem Respekt und Hilfe verdienen auf dem Weg, mit ihrer Schuld umzugehen.
Viele Schülerinnen und Schüler des Grundkurses verließen den Raum nach diesen zwei Stunden recht nachdenklich und alle waren sich einig, dass es wirklich interessant war, einmal über den eigenen Tellerrand zu schauen!

