Sonntag, 04. September 2022

Zeichen richtig verstehen

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Die „Daumen hoch“-Geste sollte man nicht überall zeigen, denn das könnte Ärger geben. Das war eine überraschende Neuigkeit für die Teilnehmer des interkulturellen Workshops „Hand in Hand“ in der Schulbibliothek des Lise-Meitner-Gymnasiums.

Bild von Gerd Altmann„Daumen hoch“ heißt „super!“ Oder: „Alles in Ordnung!“ Zeigefinger und Daumen zu einem Kreis schließen, heißt „OK!“ Versteht das nicht jeder? Nein, denn die Zeichen können in manchen Ländern vulgäre Beschimpfungen sein und großen Ärger verursachen. Da haben die Lesescouts am Lise-Meitner-Gymnasium (LMG) in Maxdorf gestaunt, als Referentin Stefanie Salomon ihnen das erklärt hat. Es sind nur Beispiele für Missverständnisse, die zwischen Menschen verschiedener Kulturkreise entstehen können. „Wie wäre das, wenn ich plötzlich in einem Land bin, dessen Sprache ich nicht spreche und dessen Kultur ich nicht kenne?“ Das ist die Ausgangsfrage für den Workshop „Hand in Hand“, der den jungen Leuten Ideen für interkulturelle Verständigung geben soll.

Mit praktischen Übungen will Referentin Stefanie Salomon den Schülern ein Gefühl dafür geben, wie es ist, sich unvorbereitet in einer anderen Kultur zurechtfinden zu müssen. Sie hat die Namen der Teilnehmer in Symbolen geschrieben und die Jugendlichen sollten ihre Namensschilder herausfinden. In einer anderen Übung hörten die Schüler eine Geschichte, die in verschiedenen Sprachen erzählt wurde und sie sollten raten, welche Sprachen das sein könnten. „Türkisch und Russisch haben die Kinder erkannt. Kroatisch, Rumänisch und Urdu aber nicht“, berichtet die Dozentin. Auch sollten die Schülerinnen und Schüler eigene Erfahrungen mit anderen Sprachen oder Erfahrungen mit Migration in der eigenen Familie erzählen.

Und da erzählten einige interessante Sachen. Der 13-jährige Felix war schon mal in China und hat dort gelernt, nie seinen Teller leer zu essen. „In Deutschland sollen wir den Teller leer machen, um zu zeigen, dass es uns geschmeckt hat. Aber in China bedeutet ein leerer Teller, dass das Essen nicht gereicht hat“, erklärte Felix. Er war auch schon als Gastschüler in Spanien und England. „Ich finde den Workshop toll, man sollte das hier als AG anbieten, damit man noch mehr über andere Kulturen lernen kann“, meint er.

Mathis, 14 Jahre, hat der Vormittag viel Spaß gemacht und er will mehr über andere Länder und Kulturen wissen: „Wir haben in der Schulbibliothek eine Reihe „Kinder der Welt“, die werde ich mir alle nacheinander ausleihen, um mehr über andere Länder zu lernen“, sagt er.
Moritz hat gefallen, dass man auch etwas über sich selbst gelernt hat. In einem kleinen Fragebogen haben die Schüler sich etwa gefragt, ob sie mehr auf andere Menschen zugehen oder zurückhaltend sind, ob sie im Umgang mit anderen diplomatisch oder direkt sind. Und sie haben gelernt, dass bestimmte Verhaltensweisen in bestimmten Kulturen als höflich und erwünscht gelten, andere nicht.

Der Workshop der Lesescouts ist der zweite seiner Art am Maxdorfer Gymnasium, der erste war 2018. Auch in Maxdorf gebe es Schülerinnen und Schüler, die durch Flucht und Vertreibung ihre Heimat verlassen haben, sagt die Lese- und Literaturpädagogin Christiane Sommer. Im Workshop sollen Ideen zum gegenseitigen Verständnis und zur Hilfe für die Neuankömmlinge entwickelt werden. Die Lesescouts sind eine offene AG, in der Schüler von der 5. Bis 10.Klasse beispielsweise gemeinsam Bücher zu bestimmten Themen lesen und diskutieren. Der Workshop wurde von der Stiftung Lesen bezahlt.

Text: Gereon Hoffmann, Freier Journalist
Veröffentlicht am 14.Juli 2022 in der RHEINPFALZ

Tipps für weitere Infos:
-> https://www.stiftunglesen.de/
-> https://stefanie-salomon.de/

Bilder von Christiane Sommer

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