Mittwoch, 12. Februar 2020

Die Lust am Buch wecken

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Christiane Sommer liebt Bücher. Und diese Leidenschaft möchte sie auch in anderen wecken. So wurde sie die erste Literaturpädagogin in Rheinland-Pfalz.

Sie arbeitet am Liese-Meitner-Gymnasium in Maxdorf. Gelingt es ihr, die Schüler von Smartphone und Bildschirm weg zu locken?

FotoGereonHoffmannSchon früh wusste Christiane Sommer, dass der Umgang mit Büchern ihr Beruf sein sollte. Nach dem Abitur, das sie 1981 am Aufbaugymnasium in Speyer ablegte, machte sie eine dreijährige Lehre zur Buchhändlerin bei der Buchhandlung Oelbermann. Später leitete sie die Schulbuchfiliale des Speyerer Unternehmens. Sie heiratete, zog nach Frankenthal, wo sie wieder im Buchhandel arbeitete, bis sie Mutter wurde. Für ihre drei Söhne nahm sie eine Auszeit. Dann wollte sie zurück ins Berufsleben. Bei einen Abitreffen traf sie ihre frühere Lehrerin Gudrun Kirschstein. Die war inzwischen Leiterin des Liese-Meitner-Gymnasiums in Maxdorf – und dort sollte eine Bibliothek aufgebaut werden. So kam es, dass Christiane Sommer 2011 nach Maxdorf ging und zusammen mit Uschi Maslowski das Team zum Aufbau und Betrieb der Bibliothek gründete.

Dort gab es eine Lese-Ecke mit 150 Büchern – was für ein G8-Gymnasium und Ganztagsschule natürlich noch nicht ausreicht. Der Bestand sollte erweitert werden, die künftige Schulbibliothek ein Konzept haben. Doch Bücher kosten Geld und das fehlte anfangs. „Ich bin mit dem Klingelbeutel durch Maxdorf gegangen, von Tür zu Tür“, sagt Sommer und fügt gleich hinzu: „Dabei habe ich die Maxdorfer lieben gelernt.“ Tatsächlich fand die Aktion breite Unterstützung und die Bibliothek fand sogar Sponsoren.

Die Bibliothek lief an – und Sommers Vertrag aus, denn sie hatte eine befristete Stelle. Aber sie wollte gerne weiter machen und auch die Schule war von ihrem Engagement und ihren Ideen überzeugt. Die ADD als zuständige Schulbehörde erklärte, dass eine feste Anstellung als pädagogische Fachkraft denkbar wäre, aber dafür müsse Sommer eine pädagogische Ausbildung nachweisen.

Der Bundesverband Leseförderung hatte 2012 gerade die Weiterbildung zur Literaturpädagogin entwickelt. Da Sommer schon Mitglied war, erfuhr sie früh davon und meldete sich an. Für die Teilnahme an den Blockseminaren reiste sie durch die ganze Republik, denn einen festen Ausbildungsort gab es nicht. Acht Teilnehmer begannen die Ausbildung im Juni 2013 und schlossen sie im Dezember 2015 ab. Und Christiane Sommer war die einzige Teilnehmerin aus Rheinland-Pfalz.

Die Ausbildung besteht aus mehreren Themenblöcken. In Pädagogik und Entwicklungspsychologie geht es um alters- und geschlechtsspezifische Entwicklung, Motivation und Sozialkompetenz. Dass es Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen gibt, ist eindeutig: „Mädchen lesen sowieso, Jungs eher nicht“, stellt die Literaturpädagogin fest. Es gibt einen Block zu Organisation, Planung, Management und PR-Arbeit. Der Bereich Erzählen, Vorlesen und Schreiben vermittelt unter anderem Stimmgebrauch, Auftreten und Präsentation. „Da habe ich viel über mich gelernt“, sagt Sommer.

In der Ausbildung lesen die Teilnehmer sich gegenseitig vor und geben Rückmeldung, wie der Vortrag wirkt und die Sprecher ankommen. Der größte Block ist die Kinder- und Jugendliteratur. Hier geht es um die Entwicklung des Genres und verschiedene Richtungen, Kriterien zu Analyse und Bewertung und eine Marktübersicht. Auch neue Medien gehören dazu, den Literatur gibt es nicht nur in gedruckter Form. Und schließlich geht es auch um Lesedidaktik und Leseförderung – gerade für Christiane Sommer ein besonders wichtiges Thema.

Für die Fünftklässler gibt es eine spielerische Einführung in die Bibliothek mit Vorlesen und Hören. Für die größeren Schüler gibt es dann Spiele und Wettbewerbe, bei denen es zum Beispiel darum geht, Antworten auf bestimmte Fragen in Büchern zu finden. An der Schule herrscht Handyverbot – mal eben schnell googeln geht da nicht. „Und die Kinder sollen lernen klarzukommen, auch wenn der Akku vom Handy mal leer ist“, sagt Sommer schmunzelnd.

Das Mitmachen an den Aktionen der Bibliothek ist freiwillig – aber offensichtlich macht es den Kindern Spaß. An einer Wand der Bibliothek sieht man Texte und Bilder verschiedener Teams, die gerade bei Aktionen mitgemacht haben. Ein Weg, auch Lesemuffel zu begeistern, sind Angebote, die nicht gleich große Bücher lesen lassen. Manchmal genügt es schon, einen Baumarkt-Katalog oder eine Auto-Broschüre zu lesen. Das ist immerhin ein Anfang.

Text und Foto: Gereon Hoffmann

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